Asthma
Chronische Reizung und Entzündung der Atemwege
Asthma beim Pferd ist eine Erkrankung der Atemwege, bei der Staub, Schimmelsporen oder andere Reizstoffe zu Entzündung, Schleimbildung und erschwerter Atmung führen können.
Kennzeichen Wann sollte ich handeln?
- Husten
- Atemnot
- erschwerte Atmung
- Nasenausfluss
- auffällige Atemgeräusche oder Rasselgeräusche
- reduzierte Leistungsfähigkeit
- schnelle Ermüdung
- verlängerte Erholungszeit nach Belastung
- Appetitverlust bei schlechtem Allgemeinzustand
- sichtbare Bauchatmung bei stärkerer Ausprägung
Handlungsempfehlung
Bitte vereinbaren Sie einen Termin, wenn Ihr Pferd wiederholt hustet, unter Belastung schlechter Luft bekommt oder auffällige Atemgeräusche zeigt. Bei deutlicher Atemnot sollte sofort telefonisch abgeklärt werden, ob akute Hilfe nötig ist.
Auf einen Blick
Hintergrund und Wissenswertes
Asthma beim Pferd
Asthma beim Pferd, häufig als Equines Asthma bezeichnet, ist eine chronische, nicht-infektiöse Erkrankung der unteren Atemwege. Die Bronchien reagieren empfindlich auf Reizstoffe aus der Umgebung. Dadurch können Entzündung, Schleimbildung, Husten und erschwerte Atmung entstehen.
Woran man Asthma erkennen kann
Typische Hinweise sind Husten, Nasenausfluss, auffällige Atemgeräusche, Rasseln, Leistungsabfall oder eine verlängerte Erholungszeit nach Belastung. Manche Pferde husten nur zu Beginn der Arbeit, andere zeigen auch in Ruhe eine angestrengte Atmung. Husten ist oft nur die Spitze vom Eisberg, 40% der Pferde mit Asthma zeigen keinen oder nur selten Husten.
Bei stärkerer Ausprägung können Atemnot, sichtbare Bauchatmung (die sogenannte "Dampfrinne"), aufgeblähte Nüstern oder ein deutlich reduzierter Allgemeinzustand auftreten. Atemnot sollte immer ernst genommen und zeitnah telefonisch abgeklärt werden.
Warum Staub und Stallluft eine große Rolle spielen
Viele asthmatische Pferde reagieren empfindlich auf luftgetragene Reizstoffe. Dazu gehören Staub, Schimmelsporen, Endotoxine, Pollen und Partikel aus Raufutter, Einstreu oder eine schlechte Luftqualität durch Ammoniakbildung. Diese Reize können die Bronchien entzünden und die Schleimbildung verstärken.
Deshalb ist Asthma nicht nur eine Frage der medikamentösen Behandlung. Entscheidend ist auch, wie stark die Atemwege im Alltag belastet werden. Fütterung, Einstreu, Belüftung, Stallklima und Bewegung haben einen großen Einfluss auf den Verlauf.
Wie Asthma abgeklärt wird
Die Untersuchung beginnt mit der Vorgeschichte: Seit wann hustet das Pferd, tritt der Husten in Ruhe oder unter Belastung auf, gibt es saisonale Muster, Stallwechsel, Futterwechsel oder Kontakt zu staubigem Heu? Auch Leistungsabfall und Atemgeräusche sind wichtige Hinweise.
Bei der klinischen Untersuchung werden Atmung, Atemfrequenz, Atemgeräusche, Schleimhäute, Allgemeinzustand und Belastbarkeit beurteilt. Je nach Befund können weiterführende Untersuchungen der Atemwege sinnvoll sein, um Entzündung, Schleim und andere Ursachen genauer einzuordnen. Mit Hilfe der klinischen Untersuchung und einer Bronchoskopie mit Gewinnung von Trachealbronchialsekret und anschließender zytologischer Beurteilung kann eine Diagnose gestellt werden.
Behandlung und Entlastung der Atemwege
Die Behandlung richtet sich nach Schweregrad und Auslösern. Die medikamentöse Therapie mit Bronchienweitstellern, Schleimlösern oder Kortison ist immer nur symtomatisch. Von größter Wichtigkeit ist die Haltungsoptimierung. Es sollten Staub- und Schimmelbelastungen möglichst reduziert und eine adäquates Bewegungsprogramm sichergestellt werden.
Praktisch bedeutet das oft: staubarmes Raufutter (Heu bedampfen, Fütterung von Heulage oder Heu für mindestens 10 min wässern), staubfreies Einstreu, gute Belüftung, möglichst viel frische Luft und eine Reduktion von Reizstoffen im Stall. Welche Maßnahmen sinnvoll und umsetzbar sind, hängt von Haltung und Pferd ab.
Langfristiges Management
Asthma ist häufig ein langfristiges Managementthema. Ziel ist, akute Beschwerden zu lindern, die Atemwege dauerhaft zu entlasten und Rückfälle möglichst zu vermeiden. Je früher Atemwegsprobleme erkannt und konsequent betreut werden, desto besser lässt sich der Verlauf stabilisieren.
Bleibt Asthma unbehandelt oder bestehen belastende Umweltbedingungen weiter, können sich die Atemwege dauerhaft verändern. Deshalb sind Verlaufskontrollen und ein angepasstes Haltungskonzept besonders wichtig.