Zahnerkrankungen
Wenn Kauen, Maulgesundheit und Wohlbefinden beeinträchtigt sind
Zahnerkrankungen beim Pferd können Futteraufnahme, Verdauung, Verhalten und Leistungsfähigkeit deutlich beeinflussen. Da viele Veränderungen lange unbemerkt bleiben, sind regelmäßige Kontrollen und eine gezielte Abklärung bei Auffälligkeiten wichtig.
Kennzeichen Wann sollte ich handeln?
- Verminderter Appetit oder Futterverweigerung
- Probleme beim Kauen
- Futterreste im Maul
- Gewichtsabnahme
- Vermehrter Speichelfluss
- schlechter Atem
- Schwellungen oder Druckempfindlichkeit im Maul- und Kieferbereich
- Auffälligkeiten beim Reiten mit Gebiss
- einseitiger, unangenehm riechender Nasenausfluss
- Verhaltensveränderungen
Handlungsempfehlung
Bitte vereinbaren Sie einen Termin, wenn Ihr Pferd schlechter frisst, Futter verliert, Gewicht abbaut, Maulgeruch zeigt oder empfindlich auf Gebiss und Berührung im Kopfbereich reagiert.
Auf einen Blick
Hintergrund und Wissenswertes
Zahnerkrankungen beim Pferd
Zahnerkrankungen sind beim Pferd häufig und betreffen weit mehr als nur das Kauen. Schmerzen oder Funktionsstörungen im Maul können Fressverhalten, Gewicht, Verdauung, Rittigkeit und allgemeines Wohlbefinden beeinflussen.
Woran man Zahnerkrankungen erkennen kann
Typische Hinweise sind langsames oder einseitiges Kauen, Futterwickel im Maul, Futterverlust, vermehrter Speichelfluss, Maulgeruch oder Gewichtsabnahme. Manche Pferde reagieren empfindlich auf das Gebiss, zeigen Kopfschlagen, Abwehr beim Reiten oder wirken insgesamt verändert.
Auch Schwellungen im Kieferbereich, Druckempfindlichkeit, Nasenausfluss oder Ausfluss aus dem Auge können mit Zahnproblemen zusammenhängen. Besonders einseitiger, unangenehm riechender Nasenausfluss sollte ernst genommen werden, weil Erkrankungen der oberen Backenzähne in die Nasennebenhöhlen ausstrahlen können.
Warum Zahnprobleme lange unbemerkt bleiben
Pferde kompensieren Zahnschmerzen oft lange. Viele fressen trotz deutlicher Befunde weiter, kauen aber schlechter, weichen beim Kauen aus oder sortieren Futter. Dadurch werden Veränderungen im Alltag nicht immer sofort erkannt.
Mit der Zeit können aus kleinen Befunden größere Probleme werden. Scharfe Kanten können Schleimhäute verletzen, Haken oder Stufen die Kaufunktion stören, und Futterreste in Zahnzwischenräumen können Entzündungen begünstigen.
Häufige Formen von Zahnerkrankungen
Zu den häufigen Befunden gehören scharfe Zahnkanten, Haken, Wellen- oder Stufenbildung, lockere Zähne, Zahnfleischentzündungen, Futtereinspießungen und Erkrankungen des Zahnhalteapparats. Bei älteren Pferden spielen altersbedingte Veränderungen und EOTRH eine besondere Rolle.
Auch Zahnwurzelentzündungen oder Veränderungen im Bereich der oberen Backenzähne können erhebliche Beschwerden verursachen. Sie zeigen sich nicht immer direkt im Maul, sondern manchmal über Schwellungen, Nasenausfluss oder Probleme im Kopfbereich.
Wie Zahnerkrankungen abgeklärt werden
Die Untersuchung beginnt mit der Vorgeschichte: Fressverhalten, Gewichtsverlauf, Rittigkeitsprobleme, frühere Zahnbehandlungen und aktuelle Auffälligkeiten werden eingeordnet. Anschließend wird die Maulhöhle sorgfältig untersucht.
Für eine gründliche Beurteilung sind häufig Licht, Maulgatter und eine leichte Sedation sinnvoll. So lassen sich auch die hinteren Backenzähne sicher beurteilen. Bei Verdacht auf Zahnwurzelprobleme, EOTRH oder Veränderungen am Kiefer können Röntgenaufnahmen oder weiterführende Diagnostik notwendig sein.
Behandlung und Nachsorge
Die Behandlung richtet sich nach dem Befund. Häufig werden scharfe Kanten geglättet, Haken reduziert oder ungleichmäßige Belastungen korrigiert. Entzündliche Veränderungen werden gezielt behandelt. Stark geschädigte oder nicht erhaltungsfähige Zähne müssen in manchen Fällen entfernt werden.
Nach der Behandlung können Fütterung, Kontrolle und Nachsorge angepasst werden. Besonders bei älteren Pferden, bekannten Zahnproblemen oder umfangreicheren Befunden sind regelmäßige Kontrollen wichtig.
Warum Vorsorge wichtig ist
Regelmäßige Zahnkontrollen helfen, Veränderungen früh zu erkennen, bevor sie zu Schmerzen, Fressproblemen oder Rittigkeitsstörungen führen. Der passende Kontrollrhythmus hängt vom Alter, vom Zahnstatus und von der Nutzung des Pferdes ab.
Auch die Fütterung spielt eine Rolle. Ausreichend Raufutter unterstützt die natürliche Kaubewegung und den Abrieb der Zähne. Trotzdem ersetzt gutes Futter keine Zahnkontrolle, weil viele Veränderungen nur bei genauer Untersuchung sichtbar werden.